Tabuthema Inkontinenz: Niemand muss sich damit abfinden

Zertifiziertes Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am RKH Klinikum Ludwigsburg bietet Betroffenen kurze Wege und eine interdisziplinäre Behandlung

Das Expertenteam des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums im RKH Klinikum Ludwigsburg (von links): Doctor-Medic Luai Hajouan, Dr. Marilena Patalong-Dahm, Dr. Anna Merscher und Dr. Theodor Jovchevski, Oberarzt in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Aus Scham sprechen viele Menschen selbst mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt nicht über Beschwerden wie Harn-, Stuhlinkontinenz oder Senkungsbeschwerden. Manche verzichten auf Reisen, sportliche Aktivitäten oder Treffen mit Freunden und ziehen sich zunehmend aus dem sozialen Leben zurück. Dabei gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, die Beschwerden wirksam zu behandeln.

Genau hier kann das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Komplexversorgung am RKH Klinikum Ludwigsburg helfen. In einem umfangreichen Audit durch die Cert-IQ im Auftrag medizinischer Fachgesellschaften wurden unter anderem die Qualifikation der beteiligten Ärztinnen und Ärzte, die technische Ausstattung, standardisierte Behandlungsabläufe, die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie festgelegte Qualitäts- und Fallzahlen überprüft. Das Zentrum erfüllte sämtliche Anforderungen ohne Beanstandungen und hat vor Kurzem die Zertifizierung als Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Komplexversorgung erhalten. 

„Viele Betroffene glauben, sie müssten ihre Beschwerden einfach hinnehmen oder sie seien mit ihrem Problem allein. Das stimmt nicht. Inkontinenz und Beckenbodenbeschwerden sind häufig und in vielen Fällen gut behandelbar. Unser wichtigster Rat lautet deshalb: Sprechen Sie frühzeitig darüber und suchen Sie sich Hilfe. Je früher wir die Ursachen kennen, desto gezielter können wir behandeln“, sagt Dr. Anna Merscher, Oberärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztliche Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am RKH Klinikum Ludwigsburg. 

Ein besonderer Vorteil des Zentrums ist die enge Zusammenarbeit der Kliniken für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Urologie. Da urologische, gynäkologische und koloproktologische Ursachen gleichzeitig vorliegen oder sich gegenseitig beeinflussen können, betrachten die Spezialistinnen und Spezialisten den Beckenboden als funktionelle Einheit und entwickeln gemeinsam individuelle Behandlungskonzepte. Regelmäßige Fallkonferenzen und die enge Abstimmung der beteiligten Fachrichtungen sorgen dafür, dass auch komplexe Befunde gemeinsam beurteilt und behandelt werden. 

„Viele Patientinnen und Patienten haben nicht nur eine einzelne Ursache für ihre Beschwerden. Gerade dann ist es ein großer Vorteil, wenn verschiedene Fachrichtungen gemeinsam auf den Befund schauen und die Behandlung eng aufeinander abstimmen. Das erspart den Betroffenen lange Wege und ermöglicht eine individuelle Therapie aus einer Hand“, so Dr. Marilena Patalong-Dahm, Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. 

Im Zentrum steht das gesamte Spektrum moderner Diagnostik und Behandlung zur Verfügung. Ziel ist es, die Ursachen der Beschwerden möglichst genau zu erkennen und für jede Patientin und jeden Patienten die individuell passende Therapie zu finden. Je nach Befund kommen zunächst konservative Verfahren wie Beckenbodentraining, spezialisierte Physiotherapie, Verhaltenstraining oder medikamentöse Therapien zum Einsatz. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen auch moderne operative Verfahren bis hin zur roboterassistierten Chirurgie zur Verfügung. 

Für die jährlich rund 2.500 Patientinnen und Patienten bedeutet das Zentrum kurze Wege und eine koordinierte Versorgung. Bereits bei der Terminvergabe werden die Beschwerden gezielt erfasst. Diagnostik und Therapie werden gemeinsam abgestimmt, sodass Betroffene ihre Krankengeschichte nicht mehrfach schildern oder selbst Termine zwischen verschiedenen Fachabteilungen koordinieren müssen. „Die Zertifizierung bedeutet nicht, dass wir jetzt etwas völlig Neues tun. Sie bestätigt vielmehr, dass die Versorgung, die wir am RKH Klinikum Ludwigsburg bereits täglich leben, den anspruchsvollen Anforderungen eines Kontinenz- und Beckenbodenzentrums der Komplexversorgung entspricht. Für Patientinnen und Patienten schafft das Sicherheit, denn ihre Versorgung erfolgt interdisziplinär, strukturiert und mit Blick auf das gesamte Beschwerdebild“, so Doctor-Medic Luai Hajouan, Oberarzt der Klinik für Urologie.