Seltene Operation schenkt höhere Lebensqualität

RKH Klinikum Ludwigsburg beweist höchste unfallchirurgische Kompetenz - komplexe Rekonstruktion eines kriegsverletzten Beins auf höchstem Niveau

Professor Dr. Markus Arand

Ein seltener und bemerkenswerter Fall, der die unfallchirurgische Expertise des RKH Klinikums Ludwigsburg unterstreicht: Ein ukrainischer Soldat, dessen Oberschenkel nach einer Verletzung durch ein Artilleriegeschoss schwer beschädigt und infiziert war, konnte mithilfe einer seltenen und anspruchsvollen Operationsmethode – der sogenannten Umkehrplastik nach Salzer und Borggreve – erfolgreich behandelt werden. Bei diesem Verfahren wird der gesunde Unterschenkel mit Fuß um 180 Grad gedreht und anstelle des Oberschenkels, der bis auf einen kurzen Stumpf entfernt wird, neu eingesetzt. Das Sprunggelenk übernimmt fortan die Funktion eines Kniegelenkes. Das Ergebnis: ein Bein, das nur eine kurze Prothese für den Ersatz des Schienbeins und des Fußes benötigt. Die Unterschenkel-Prothese wurde von der Markgröninger ORTEMA angepasst. Damit wird eine deutlich höhere Lebensqualität erreicht, als bei einer vollständigen Amputation des Beins. In Deutschland werden pro Jahr lediglich drei bis fünf solcher Eingriffe durchgeführt.

Das Bein des ukrainischen Patienten konnte nach rund 40 Operationen am Universitätsklinikum in Kiew durch Lappendeckungen erhalten werden. Bei schweren Verletzungen, bei denen Haut, Muskeln oder Gewebe fehlen, wird körpereigenes Gewebe - sogenannte Lappen - aus einer anderen Körperregion entnommen und zur Deckung der Wunde transplantiert. Bei diesen Operationen entwickelte sich allerdings eine Infektion mit multiresistenten Keimen und es musste in der Folge ein künstlicher Oberschenkelknochen eingesetzt werden. Als der Infekt zu weit fortgeschritten war und nur noch eine komplette Amputation des Beins bis zur Hüfte im Raum stand, wurde er über ein internationales Verteilsystem an das RKH Klinikum Ludwigsburg weitergeleitet. Prof. Dr. Markus Arand, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie im RKH Klinikum Ludwigsburg, koordiniert die Zuweisung der Kriegsverletzten auf die überregionalen Traumazentren in Baden-Württemberg.

„Diese Operation ist ein beeindruckendes Beispiel für Spitzenmedizin und interprofessionelle Zusammenarbeit: eine Umkehrplastik nach Salzer und Borggreve ist extrem selten und nur erfahrenen Teams vorbehalten. Wir sind stolz, diese Operationstechnik in unserem Klinikum anbieten zu können – für Menschen in schwierigen Situationen.“, so Prof. Dr. Markus Arand. Der anspruchsvolle, rund 11 Stunden dauernde Eingriff erforderte die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen – Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie, Anästhesie, Orthopädietechnik und Pflege, um das Bein funktionell und belastbar zu rekonstruieren. „Unser Team hat gezeigt, was möglich ist, wenn medizinische Exzellenz und Teamgeist Hand in Hand gehen. Für den Patienten bedeutet diese Umkehrplastik ein Stück neue Normalität – und damit Hoffnung.“