
Der 44-jährige erinnert sich noch gut an den Vormittag im Februar, als er plötzlich wieder Lähmungserscheinungen hatte. Und zwar nicht nur im Gesicht, die gesamte Körperhälfte war dieses Mal betroffen. Die Folge: Als er aufstehen wollte, fiel er wieder hin. Außerdem war sein Arm gelähmt, er konnte sich nicht damit abstützten und nichts greifen. Wieder wurde er vom Rettungsdienst in die Notaufnahme des Ludwigsburger Klinikums gefahren. Nachdem festgestellt worden war, dass es sich um eine Mangeldurchblutung aufgrund eines Blutgerinnsels handelte, wurde er in die Stroke Unit, der spezialisierten Schlaganfalleinheit verlegt. Das Blutgerinnsel wurde mit Medikamenten behandelt, aber die Lähmungen gingen nicht mehr weg. Das Team um den Chefarzt der Neurologie, Professor Dr. Christian Förch, war gefordert. Neben Ärzten sind hier auch Pflegefachkräfte und Therapeuten mit besonderer Expertise in der therapeutisch aktivierenden Pflege oder speziellen Therapiemethoden tätig. Ziel dieser Methoden ist es, das Selbstpflegedefizit sowie die physiologischen Bewegungsabläufe der Patienten wieder zur verbessern.
Die frühe Aktivierung von Dominic Schlosshauer ermöglichte ihm ein „Wieder Aufstehen“ und damit den ersten Schritt zurück ins Leben. Denn nur dann war es möglich, dass der junge Familienvater nach Hause zu Frau Stefanie und dem zweijährigen Luis zurückkehren konnte. Dominic musste erst einmal wieder einfache Bewegungen erlernen, wie z.B. das Drehen im Bett oder das Aufsitzen an die Bettkante, um Gleichgewicht zu halten und von dort aus mit Hilfe in den Stuhl zu kommen, berichtet der Pflegeexperte Harry Wolpert. Mit der therapeutisch aktivierenden Pflege, weiterer Physiotherapie, Stehhilfen und Orthesen schaffte es der Patient aus dem Bett heraus und schließlich gelang es ihm sogar, sich am Handlauf wieder gehend alleine fortzubewegen. Wichtige Voraussetzung für ein Stück Normalität. In seinem Zuhause in Freiberg sitzt Schlosshauer jetzt am Kaffeetisch und erzählt. Etwa von dem gutartigen Tumor an der Herzklappe, der Ursache für die sich lösenden und ins Gehirn gelangten Blutgerinnsel war. Die große Herz-OP blieb ihm erst mal erspart, aber regelmäßige Kontrolluntersuchungen werden bleiben.
Dominic Schlosshauer hat vor allem einen Wunsch: Dass er wieder in seinem Beruf als Veranstaltungstechniker arbeiten kann, dass einfach alles wieder so ist wie früher. Ein langer Weg, bei dem ihn auch Harry Wolpert begleitet. „Die Nachsorge von Schlaganfallpatienten muss deutlich verbessert werden“, sagt er. Dazu gehört Wolpert zufolge auch eine sozialpsychologische Begleitung der Familien. Ehefrau Stefanie Schlosshauer wünscht sich ebenfalls mehr Beratung und Informationen. Sie ist für ihren kleinen Sohn und ihren Mann da und leistet viel, trotz Berufstätigkeit. Das gelingt ihr, weil auch ihre Eltern hinter ihr stehen und immer zur Stelle sind. Etwa während der mehrwöchigen Reha in der Nähe des Bodensees, wo sich die Eltern um den kleinen Luis kümmerten, so dass Stefanie länger bei ihrem Mann in der Rehaklinik sein konnte. Denn quirlige Kleinkinder waren da nicht vorgesehen. Jetzt wartet Dominic Schlosshauer darauf, mit der weiteren Physiotherapie in einer ambulanten neurologischen Reha zu beginnen. Doch es gilt noch, bürokratische Hürden zu überwinden.
Gerade für solche schwer betroffenen Schlaganfallpatienten, die neben der durchgängigen, spezialisierten Pflege intensive Nachsorge brauchen, entwickelt die Stroke Unit Station am RKH Klinikum Ludwigsburg gerade ein prämiertes Projekt. Die Einrichtung einer speziellen Einheit mit eigenverantwortlicher pflegerischer und therapeutischer Begleitung. Ein strukturiertes Betreuungskonzept sowie in Zukunft vielleicht, eine geplante qualifizierte Nachsorge und Beratung. Nicht zuletzt wäre der geplante Einsatz von Pflegelotsen wünschenswert. Vom Klinikaufenthalt über die Rückkehr in den häuslichen Bereich bis zur Wiederaufnahme des Berufs.
10. Mai ist Tag gegen den Schlaganfall
Die Nachsorge ist auch Thema beim bundesweiten Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht dabei deutlich, dass jeder Schlaganfall ein Notfall ist und dass auch jüngere Menschen betroffen sein können. Die Symptome sind Sehstörungen, Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Lähmung und Taubheitsgefühle, Schwindel und Gangunsicherheit sowie starke Kopfschmerzen.