
Dass er erst vor wenigen Wochen eine sechsstündige Darmkrebsoperation im RKH Klinikum Ludwigsburg überstanden hat, sieht man Frank Böhme aus Marbach nicht an. Der 55-jährige wirkt fit und berichtet von einem fast normalen Alltag, zu dem auch zügige Spaziergänge mit seinem Hund gehören.
Mit dafür verantwortlich war das neue „Fast-Track“ Konzept, das in der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie eingesetzt wird. Frank Böhme hätte dabei selbst nicht gedacht, dass er so schnell wieder auf die Beine kommt. „Ich fühle mich wohl und habe auch keine Schmerzmittel gebraucht“, berichtet er. Verantwortlich dafür war zunächst einmal, dass er den ärztlichen Rat befolgt hat, regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen. „Das kann ich nur jedem empfehlen“, betont er. Denn dort wurden bei einer Darmspiegelung vor drei Jahren Polypen entdeckt und entfernt. Das sind gutartige Wucherungen, die sich aber im Laufe der Jahre zu Krebs entwickeln können. Deshalb riet ihm der für die Vorsorge zuständige Arzt, nicht erst nach fünf, sondern sicherheitshalber bereits nach drei Jahren wieder vorstellig zu werden. Das hat Böhme befolgt und das verhinderte wohl Schlimmeres. Denn beim Vorsorgetermin in diesem Jahr wurde wieder etwas entdeckt. Der Arzt entnahm eine Gewebeprobe und bald war klar: Es handelte sich um Krebs. Der pflaumengroße Tumor musste operiert werden. Frank Böhme wurde in der Viszeralchirurgie von Chefarzt Professor Dr. Thomas Schiedeck vorstellig. In der Tumorsprechstunde erläuterte Oberarzt Dr. Steffen Retter das Vorgehen. Der Tumor hatte glücklicherweise noch nicht gestreut. „Es handelte sich um ein frühes Stadium“, berichtet Steffen Retter. Er erlebte Frank Böhme dabei als positiven und lösungsorientierten Menschen. Böhme erfuhr sogleich, dass er mit Fast-Track optimal auf den Eingriff vorbereitet und schließlich auch nachbetreut werden soll.
Das Konzept haben die Chirurgen um Projektleiter Dr. Christoph Marquardt erst vor einem halben Jahr zusammen mit den Anästhesisten, den Pflegenden, den Physiotherapeuten und den Ernährungsmedizinern erarbeitet und etabliert. Patienten sollen mit der Chirurgie der „schnellen Schiene“ (Fast Track) wieder in kürzester Zeit fit gemacht werden. Dafür ist im Ludwigsburger Klinikum die neue Fast-Track-Assistentin Larissa Grupp zuständig, welche die Patienten rund um den Eingriff begleitet und auch jetzt noch den Kontakt zu Frank Böhme hält. Der fühlte sich nach eigenem Bekunden in guten Händen, als er nicht nur mit dem Ablauf der Operation, sondern auch mit deren Vorbereitungen vertraut gemacht wurde. Dazu gehörten Tipps zur Ernährung und körperliche Übungen. So hatte die Physiotherapie des Klinikums eigens ein Video als Anleitung erstellt. Vor der Operation erhielt Böhme überdies kalorienreiche Trinknahrung und klare Flüssigkeiten bis kurz davor.
Oberarzt Dr. Christoph Marquardt bezeichnet die chirurgische Entfernung eines Tumors als hohe Belastung für den Körper ähnlich wie bei einem Marathonlauf. „Menschen mit Darmkrebs bedürfen deshalb einer umfassenden Betreuung“, sagt er. Das erklärte Ziel: Weniger Komplikationen und eine schnellere Erholung auch dank schonender Narkose. Auf strapazierende Abführmaßnahmen, wie sie früher im Vorfeld von Darmkrebseingriffen üblich waren, wird heute verzichtet. Ebenso wie auf unnötige Drainagen und Katheter am Ende der OP. Standard ist dem Projektleiter zufolge außerdem leichte Kost ab dem ersten Tag nach dem in der Regel minimalinvasiven Eingriff sowie die schnelle Mobilisation durch Physiotherapeuten und Pflegekräfte. Das zeigte auch bei Frank Böhme Wirkung. „Am dritten Tag bin ich schon Treppen gestiegen“, berichtet er. Am sechsten Tag konnte er wieder nach Hause entlassen werden. Nur eine kleine Narbe, durch die die Instrumente in den Bauchbereich geführt wurden, erinnert noch an die Operation. „Als ich von der Narkose aufgewacht bin, habe ich erst mal nachgeschaut: Keine große Narbe und kein künstlicher Ausgang, es ist alles gut gegangen“, berichtet Frank Böhme. Er gilt als geheilt, engmaschige Nachuntersuchungen gehören aber im ersten Jahr noch dazu. „Danach werde ich weiter regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge gehen“, verspricht er.