
Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fand am 20. bis 22. Januar vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Pandemie nicht wie geplant als Präsenzveranstaltung in der Barockstadt Ludwigsburg statt, sondern wurde als Online-Tagung abgehalten. Die Fachgesellschaften und ihre Tagungen sind ein Bindeglied zwischen der Forschung und der Praxis in der Medizin, Pflege und im Therapiebereich. Im Mittelpunkt standen neue Entwicklungen im Bereich der Neurologischen und Neurochirurgischen Intensivmedizin und der Neurochirurgie, die hierdurch operative Eingriffe mit einem zusätzlichen Maß an Sicherheit durchführen kann.
Insgesamt konnten die über 900 Teilnehmer - Ärzte, Pflegende und Therapeuten - sich in über 70 Vortragssitzungen fortbilden. Dazu zählten Themenschwerpunkte wie beispielsweise Blutungen aus Gefäßschwächen (Aneurysmen) im Gehirn, schwere Erkrankungen des Rückenmarks, das Delir – ein akuter Verwirrtheitszustand – auf der Intensiv- und Schlaganfallstation sowie die Organisation und Struktur der NeuroIntensivmedizin.
Aber auch aktuelle Erkenntnisse über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie waren Gegenstand der Tagung. So wurden Daten darüber vorgelegt, zu welchen Komplikationen es kommen kann, wenn das Coronavirus auch das Nervensystem befällt. „Es gibt zahlreiche Beobachtungen darüber, dass sich das Virus sowohl akut, als auch chronisch und mit unterschiedlich schweren Verläufen zeigt, beispielsweise über Gerinnungsstörungen, Entzündungen der Gefäßwände, Minderdurchblutungen oder Autoimmunreaktionen“, sagt Professor Dr. Oliver Sakowitz, Kongresspräsident und Ärztlicher Direktor des Neurochirurgischen Zentrums Ludwigsburg-Heilbronn. „Während neurologische Symptome, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Geruchs- oder Geschmacksverlust und weitere, bei der COVID-19-Erkrankung häufig sind, lässt sich ein wirklicher Befall des Zentralnervensystems zum Glück deutlich seltener nachweisen.“
Erstmals wurde innerhalb der Veranstaltung die alle Berufssparten übergreifende „DSG Stroke Winter School“ abgehalten. Schlaganfälle stellen die häufigsten Notfälle des Faches dar und werden in Deutschland auf Vorstufen zur Intensivstation, sogenannten „stroke units“, behandelt, die besondere Qualitäts- und Qualifikationsmaßstäbe erfüllen müssen. „Eine frühe Förderung auf diesen Stationen durch die gezielte und individuelle Anwendung spezieller Pflege- und Therapiekonzepte ermöglicht den betroffenen Menschen ihr Selbstpflegedefizit zu verbessern“, so Harry Wolpert, Fachkrankenpfleger der Stroke Unit im RKH Klinikum Ludwigsburg, in seinem Vortrag. Professor Dr. Oliver Sakowitz und auch Harry Wolpert erhielten viele positive Rückmeldungen zu den Vorträgen.
Die fachliche Weiterentwicklung der NeuroIntensivmedizin, der wissenschaftliche, fach- und berufsgruppenübergreifende Austausch und die Weiterbildung der Assistenzärzte führen zu einer Verbesserung der Patientenversorgung vor Ort in den Kliniken. „Es ist das Ziel der Fachgesellschaften, für die Bürgerinnen und Bürger langfristig eine flächendeckende neurointensivmedizinische, neurologische und neurochirurgische Versorgung auf hohem Niveau zu gewährleisten“, so Sakowitz.