
Prof. Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH Gesundheit und damit des größten kommunalen Gesundheitsunternehmens in Baden-Württemberg, spart häufig nicht mit Kritik an Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach. Doch anders ist dies bei dem gestern in Berlin von einer Regierungskommission vorgelegten Bericht, in dem es um die Steigerung der Behandlungsqualität durch die Konzentration schwerer, komplexer Fälle in einzelnen Zentren geht. „Der Aussage von Herrn Lauterbach, dass nicht jedes Krankenhaus jede medizinische Behandlung anbieten muss und somit mehr Qualität mehr Leben rettet, kann ich uneingeschränkt zustimmen“, so Martin. Die Ergebnisse der in Berlin vorgelegten Studie allerdings pauschal und für das ganze Bundesgebiet geltend als Argument für die geplante Krankenhausreform zu verwenden, gibt ein völlig falsches Bild von der Krankenhauslandschaft ab. „Viele Kliniken in Baden-Württemberg und in anderen Bundesländern haben bereits ihre Hausaufgaben gemacht und gerade in medizinischen Fachgebieten mit schweren, komplexen Behandlungsfällen eine Konzentration in Zentren herbeigeführt“, sagt Martin. Seit 2013 wird in den Kliniken der RKH Gesundheit ein die drei Landkreise Ludwigsburg, Enzkreis und Karlsruhe übergreifendes, medizinisches Konzept entwickelt und konsequent umgesetzt.
Bereits 2009 wurde die Kardiologie im RKH Klinikum Ludwigsburg von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zur Chest Pain Unit zertifiziert. Alle akuten Fälle wie beispielsweise bei Verdacht auf Herzinfarkt werden in den Herzkatheterlaboren der RKH Gesundheit in Ludwigsburg, Mühlacker und Bruchsal behandelt, da nur diese Standorte über ein Herzkatheterlabor verfügen. Akute Schlaganfälle werden im RKH Klinikverbund nur noch in der von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifizierten Stroke Unit im RKH Klinikum Ludwigsburg und in der 2018 als Stroke Unit in Kooperation mit der Universität Heidelberg zertifizierten RKH Fürst-Stirum-Klinik behandelt. Auch die Behandlung von Krebspatienten wird in einzelnen, von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Organkrebszentren behandelt. Dazu zählen das Brust- und Darmkrebszentrum in Bruchsal sowie das Krebszentrum Nordwürttemberg mit dem Brustzentrum Ludwigsburg-Bietigheim, dem Darmzentrum Ludwigsburg-Bietigheim, dem Gynäkologischen Krebszentrum Ludwigsburg, dem Neuroonkologischen Zentrum Ludwigsburg, dem Pankreaszentrum Ludwigsburg und dem Uroonkologischen Zentrum Ludwigsburg. Auch im Bereich der Endoprothetik, also der Implantation künstlicher Gelenke, ist die RKH Gesundheit seit vielen Jahren den Weg der Spezialisierung gegangen. Mit der zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifizierten RKH Orthopädische Klinik Markgröningen, den Endoprothetikzentren in Bietigheim und Bretten sowie dem Gelenkzentrum Schwarzwald in Neuenbürg wird seit über 10 Jahren der Weg der Konzentration in der Orthopädie gegangen. Dies gilt auch im Bereich der Unfallchirurgie, wo es seit 2012 in Ludwigsburg das von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifizierte Überregionale Traumazentrum Nord-Württemberg und in den Kliniken in Bietigheim, Mühlacker und Bruchsal zertifizierte regionale Traumazentren gibt. Darüber hinaus gibt es weitere Zentren wie das Gefäßzentrum in Ludwigsburg, das Diabetologicum in Bietigheim oder das Adipositaszentrum in Bietigheim. „Seit Gründung der Regionalen Kliniken Holding planen wir über die Landkreisgrenzen hinweg und haben viele Entwicklungen, die nun in der anstehenden Krankenhausreform gefordert werden, zukunftsweisend vorweggenommen“, sagt Martin. Dies würde die RKH Gesundheit nun mit dem Einsatz moderner telemedizinischer und digitaler Techniken ausbauen. „Die Aussage von Prof. Lauterbach, dass komplexe medizinische Eingriffe und Notfallversorgung im Sinne der Qualität konzentriert werden müssen, ist uneingeschränkt richtig, allerdings zu suggerieren, dass dies nur durch die Gesundheitsreform ermöglicht wird, ist falsch, wie das Beispiel des RKH Verbunds und vieler anderer Kliniken in Baden Württemberg und darüber hinaus zeigt“, schließt Martin.