
Schwerstkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zuhause begleiten, Schmerzen lindern, Angehörige entlasten und unnötige Klinikeinweisungen vermeiden – dafür steht die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im Landkreis Ludwigsburg seit inzwischen 15 Jahren. Das unter der Trägerschaft des RKH Klinikums Ludwigsburg stehende Palliative-Care-Team wurde im Mai 2011 gegründet und begleitet heute jährlich rund 500 schwerkranke und sterbende Menschen zuhause oder im Pflegeheim.
Bereits vor der Einführung der SAPV gab es im Landkreis eine gute Versorgung durch Hausärzte, Pflegedienste und die sogenannte Brückenpflege. Durch die SAPV konnte jedoch eine wichtige Versorgungslücke geschlossen werden – insbesondere durch die 24-Stunden-Rufbereitschaft und individuell abgestimmte Behandlungspläne.
Die SAPV unterstützt dort, wo die Belastung für Betroffene und Angehörige besonders hoch ist – etwa bei starken Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen wie Krebs im Endstadium. Ein Team aus speziell weitergebildeten Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften steht den Menschen zusätzlich zur bisherigen Betreuung zur Seite – auch nachts und an Wochenenden.
„Eine Glocke, die Menschen in der Not läuten können, auch ohne stationär im Krankenhaus zu liegen“, beschreibt Marc Hintze, leitender Koordinator der SAPV Ludwigsburg, die Aufgabe des Teams. Neben der medizinischen Versorgung spielen menschliche Begleitung und Gespräche eine zentrale Rolle. „Die Einsätze sind auch für uns als Begleiter eine Herausforderung, denn Themen wie Sterben und Abschied sind immer präsent. Gleichzeitig geht es darum, Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Ängsten und kulturellen Hintergründen offen und würdevoll zu begegnen“, so Hintze.
Das Team besteht aktuell aus 11 Ärzten mit Fachweiterbildung Palliativmedizin sowie 11 Pflegekräften mit Fachweiterbildung Palliative Care. Dass dieses Angebot gebraucht wird, zeigen die Zahlen: Rund 97 Prozent der begleiteten Patientinnen und Patienten können dank der Unterstützung tatsächlich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und dort versterben. Für viele Familien bedeutet dies Sicherheit in einer existenziellen Situation.
Wie wichtig diese Hilfe sein kann, zeigt ein typischer Einsatz: An einem Samstagabend meldet sich der Ehemann einer bereits in der SAPV versorgten, schwerkranken Patientin mit Darmkrebs im Endstadium bei der Rufbereitschaft. Seine Frau leidet unter starken Beschwerden, er fühlt sich überfordert, sitzt mit Tränen in den Augen neben dem Bett und hält ihr die Hand. Noch am selben Abend fährt eine Pflegekraft zum Hausbesuch, stimmt sich mit dem diensthabenden Arzt ab und passt gemeinsam mit ihm die Versorgung an. Bereits am nächsten Tag bessert sich der Zustand der Patientin deutlich – genug, damit das Paar weitere gemeinsame Zeit zuhause verbringen kann.
Das Netzwerk der SAPV arbeitet eng mit Hausärzten, ambulanten Hospizdiensten, Pflegeheimen, dem stationären Hospiz in Bietigheim sowie der Palliativstation des Klinikums Ludwigsburg zusammen. Ergänzt wird die Versorgung durch Angebote wie Musik- oder Kunsttherapie, wohltuende Massagen, seelsorgerische Begleitung sowie Trauerangebote für Angehörige.
„Herzlichen Dank für die Versorgung meines Mannes in seinem letzten Lebensabschnitt. Er konnte schmerzfrei und im Kreise seiner Familie von uns gehen. Das war für uns alle ein großes Geschenk“, schrieb eine Angehörige kürzlich in einer Dankeskarte an das Team.
Nach 15 Jahren zieht die SAPV Ludwigsburg eine positive Bilanz: Die Versorgung schwerstkranker Menschen zuhause konnte deutlich verbessert und Angehörige nachhaltig entlastet werden. Gleichzeitig werden Krankenhäuser durch weniger Notfalleinweisungen entlastet.