50 Jahre Neurologie: Von der Pionierarbeit zum Neurovaskulären Zentrum

Zum Welt-Schlaganfalltag informiert Prof. Dr. Christian Förch am 29. Oktober 18 Uhr über die Prävention von Schlaganfall und Demenz

Wenn plötzlich ein Mundwinkel herabhängt, ein Arm nicht mehr richtig bewegt werden kann oder die Sprache versagt, zählt jede Minute. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall. Doch ein Teil des persönlichen Risikos lässt sich durch Prävention beeinflussen. 

Unter dem Titel „Wie beuge ich dem Schlaganfall und der Demenz wirksam vor?“ erklärt Prof. Dr. Christian Förch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie am RKH Klinikum Ludwigsburg und Leiter des Neurovaskulären Zentrums, am Donnerstag, 29. Oktober 2026 um 18 Uhr, welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, sein persönliches Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Bei diesem Infoabend für Patienten und Interessierte im Hörsaal des RKH Klinikums Ludwigsburg anlässlich des Welt-Schlaganfalltags geht es sowohl um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse als auch um beeinflussbare Risikofaktoren, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil und Möglichkeiten der Vorsorge. Denn Schlaganfall und Demenz zählen insbesondere im höheren Lebensalter zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Der Welt-Schlaganfalltag steht 2026 zudem unter einem besonderen Blickwinkel. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe rückt Angehörige in den Mittelpunkt und macht unter dem Motto „Ein Schlaganfall trifft nie einen Menschen allein“ darauf aufmerksam, dass die Erkrankung häufig das Leben ganzer Familien verändert. Angehörige übernehmen nach einem Schlaganfall vielfach wichtige Aufgaben bei Information, Kommunikation und Organisation und benötigen selbst Unterstützung und Orientierung. Die Ludwigsburger Klinik für Neurologie zeichnet sich hier durch ein weit über den stationären Aufenthalt hinausgehendes Hilfs- und Beratungsangebot aus. Informationsangebote, Schulungen, ein monatliches „Info-Café Schlaganfall“ sowie ein Lotsenprojekt begleiten den Übergang in den Alltag. 

50 Jahre neurologische Erfahrung in Ludwigsburg

Der Welt-Schlaganfalltag fällt in diesem Jahr mit einem besonderen Jubiläum zusammen: Im November wird die Klinik für Neurologie am RKH Klinikum Ludwigsburg 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert, in dem sich sowohl die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Neurologie als auch die Klinik selbst grundlegend weiterentwickelt haben.

1976 übernahm Dr. Winfried Roos die Leitung der neu gegründeten Klinik und führte sie bis 1998. Bereits wenige Jahre später setzte Ludwigsburg einen wichtigen technologischen Meilenstein: Am 1. Januar 1980 ging ein Computertomograph in Betrieb, der zunächst von der Neurologie und später gemeinsam mit der Radiologie genutzt wurde. Es handelte es sich um eines der ersten CTs in einem kommunalen Krankenhaus in Deutschland. Die damaligen Geräte konnten zunächst ausschließlich Aufnahmen des Kopfes erstellen.

Auch die spätere Entwicklung der Neuroradiologie wurde aus der Neurologie heraus mit vorbereitet. Gemeinsam mit dem damaligen Radiologen Prof. Dr. Jürgen Treichel entwickelte Dr. Roos die Grundlagen für eine eigenständige neuroradiologische Einheit. Zum 1. Januar 2000 wurde schließlich eine selbstständige Sektion Neuroradiologie unter Leitung von Dr. Wolfgang Brunk eingerichtet, aus der später eine eigenständige Abteilung hervorging. Heute sichert das Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie unter Leitung des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Stephan Meckel eine weit überregionale Versorgung insbesondere im 
Bereich der interventionellen Therapien.

Von der Stroke Unit zum Neurovaskulären Zentrum

Ein weiterer entscheidender Schritt war der Aufbau einer spezialisierten Schlaganfallstation, der heutigen Stroke Unit. Noch unter Dr. Roos wurden die Vorbereitungen dafür begonnen und Drittmittel für die Erstausstattung eingeworben. Unter seinem Nachfolger Prof. Dr. Martin Schabet, der die Klinik von 1998 bis 2022 leitete, wurde die Stroke Unit etabliert und von zunächst vier auf später 16 Betten ausgebaut. Unter seiner Leitung entstand zudem das Neuroonkologische Zentrum.

Seit Juni 2022 steht Prof. Dr. Christian Förch an der Spitze der Klinik. Heute verfügt die Neurologie über 60 Betten und versorgt neben den stationären Patientinnen und Patienten jährlich rund 5.000 Menschen ambulant. Das Behandlungsspektrum geht weit über die Schlaganfallbehandlung hinaus – es reicht von Gefäßerkrankungen des Gehirns über Epilepsie, Multiple Sklerose und neuromuskuläre Erkrankungen bis hin zu Bewegungsstörungen, Kopfschmerzen, Demenz und Hirntumoren.

Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung markiert das Jahr 2026: Das Land Baden-Württemberg hat das RKH Klinikum Ludwigsburg zum 1. Januar als Neurovaskuläres Zentrum ausgewiesen. Diese Zentren bilden die höchste Versorgungsstufe für Schlaganfälle, Hirnblutungen und andere komplexe Erkrankungen der Hirngefäße. Voraussetzung sind unter anderem eine spezialisierte Stroke Unit, moderne Bildgebung, interventionelle Katheterverfahren, rund um die Uhr verfügbare neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten, hohe Fallzahlen und entsprechende Qualitätssicherungsverfahren. Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Gefäßchirurgie und Intensivmedizin arbeiten dafür eng zusammen.

„Die Entwicklung unserer Klinik zeigt, wie sehr sich die Neurologie in den vergangenen 50 Jahren verändert hat. Was geblieben ist, ist der Anspruch, neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten früh für unsere Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen. Die Ausweisung als Neurovaskuläres Zentrum ist deshalb für uns Anerkennung der über Jahrzehnte aufgebauten Expertise und gleichzeitig Verpflichtung, die neurologische Versorgung in der Region stetig zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Christian Förch.