
Eine nationale wissenschaftliche Auszeichnung lenkt den Blick auf die hohe medizinische Qualität im Landkreis Ludwigsburg: Das Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie am RKH Klinikum Ludwigsburg unter Leitung des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Stephan Meckel wurde für seine Forschung zur modernen Behandlung von Hirn-Aneurysmen ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stand eine bundesweite Untersuchung zu besonders schonenden, beschichteten Gefäßimplantaten, sogenannten Flow-Diverter-Stents, die vielen Patientinnen und Patienten mit Hirn-Aneurysmen deutliche Vorteile bieten.
Hirn-Aneurysmen sind krankhafte Aussackungen von Blutgefäßen im Gehirn. Bleiben sie unbehandelt, können sie platzen und lebensbedrohliche Hirn-Blutungen verursachen. Dank moderner Medizin lassen sich die allermeisten Aneurysmen heute minimal-invasiv behandeln – also ohne eine offene Operation am Kopf. Dabei werden die Flow-Diverter-Stents - aus vielen feinen Metallfäden geflochtene Röhrchen-Implantate - über einen dünnen Schlauch durch die Blutgefäße vom Handgelenk oder der Leiste aus bis zur betroffenen Stelle vorgeschoben. Sie stabilisieren das Gefäß von innen und sorgen dafür, dass die Aneurysma-Durchblutung reduziert wird und sich das Hirn-Aneurysma letztendlich nach gewisser Zeit komplett verschließt.
In der ausgezeichneten Studie wurden herkömmliche Flow-Diverter-Stents mit neu entwickelten, speziell beschichteten Modellen verglichen. Diese Beschichtungen verringern das Risiko von Blutgerinnseln an den Röhrchen-Implantaten mit möglichen Folgen eines Schlaganfalls und machen die Behandlung noch sicherer. Grundlage der Untersuchung waren alle 1.397 Hirn-Aneurysma-Behandlungen in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2022, ausgewertet anhand von Routinedaten des Statistischen Bundesamtes. Die Ergebnisse sind für Betroffene sehr ermutigend: Bei noch nicht geplatzten Aneurysmen konnten Patientinnen und Patienten mit den beschichteten Stents häufiger direkt nach Hause entlassen werden. Sie verbrachten weniger Zeit im Krankenhaus, benötigten kürzere Beatmungszeiten und hatten insgesamt bessere Behandlungsergebnisse bei geringerer Sterblichkeit.
„Ziel unseres Forschungsprojekts war es, auf Basis einer breiten Datenbasis zu prüfen, ob diese neuen, beschichteten Stents tatsächlich messbare Vorteile bringen – eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Ärztinnen und Ärzten in vielen Kliniken“, sagt Levani Imerlishvili, Assistenzarzt und Projektleiter am Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Für die Präsentation der Forschungsergebnisse erhielt Imerlishvili den vom „Verein für Hirnaneurysma-Erkrankte – Der Lebenszweig – e.V.“ gestifteten Wissenschaftspreis auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie 2025 in Salzburg. Diese Auszeichnung zeigt, dass exzellente Forschung und hochwertige Patientenversorgung vor Ort eng zusammengehören.
Das RKH Klinikum Ludwigsburg verfügt über eine mit Universitätskliniken vergleichbare Neuroradiologie mit einem starken Schwerpunkt für interventionelle – das heißt minimal-invasive – Therapie von Hirngefäßerkrankungen. Sie versorgt nicht nur Patientinnen und Patienten aus dem Landkreis Ludwigsburg, sondern aus einer großen Region des nördlichen Neckarraums, welche bis nach Heilbronn und Würzburg reicht. In der Neuroradiologie in Ludwigsburg kommen die modernen, beschichteten Stents sowie weitere hochmoderne, neurointerventionelle Verfahren bereits seit Längerem zum Einsatz. Dabei werden zumeist über einen schonenden Armzugang in Kathetertechnik unterschiedlichste Behandlungen von Hirn- und Rückenmarksgefäßerkrankungen durchgeführt.