
Wenn jede Bewegung schmerzt und selbst in Ruhe keine Linderung mehr eintritt, ist der Alltag für viele Betroffene kaum noch zu bewältigen. Tausende Menschen in Deutschland leiden an einer schweren peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) – einer Erkrankung, bei der die Blutgefäße in den Beinen stark verengt sind und das Gewebe durch die Mangeldurchblutung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Im fortgeschrittenen Stadium drohen dauerhafte Schmerzen, schlecht heilende Wunden und im schlimmsten Fall eine Amputation. Diese leidvolle Erfahrung mit Schmerzen und eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit musste auch Cornelia Ruff machen.
Doch am RKH Klinikum Ludwigsburg gab es für sie nun eine neue Hoffnung: Die Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie unter Leitung des Ärztlichen Direktors Privatdozent Dr. Johannes Gahlen führt eine Studie zu einem innovativen Verfahren durch – der sogenannten spinalen Neurostimulation. Dabei wird ein kleines Gerät, ähnlich einem Herzschrittmacher, in den Körper eingesetzt. Über feine Elektroden an der Wirbelsäule sendet es gezielte elektrische Impulse aus. Diese beeinflussen bestimmte Nerven und können dazu beitragen, die Blutgefäße zu erweitern und so die Durchblutung zu verbessern – und damit auch die Schmerzen zu lindern. Anders als bei bisherigen Stimulationssystemen empfinden die Patientinnen und Patienten bei diesem neuen Verfahren keine störenden Kribbelreize.
Die Methode kommt vor allem bei Patientinnen und Patienten zum Einsatz, bei denen herkömmliche Behandlungen wie Gefäßoperationen mit Einsetzen von Stents (kleine Gefäßstützen) oder dem Legen von Bypässen nicht mehr möglich oder nicht erfolgreich sind. Für diese Menschen gab es bislang oft nur noch wenige Therapieoptionen. „Gerade für Patientinnen und Patienten mit sehr fortgeschrittener Erkrankung eröffnet die spinale Neurostimulation eine neue Perspektive. Wir können damit Schmerzen deutlich reduzieren und möglicherweise sogar dazu beitragen, eine Amputation zu vermeiden“, sagt Privatdozent Dr. Johannes Gahlen, Ärztlicher Direktor der Klinik.
In der Studie werden 20Teilnehmenden über ein Jahr hinweg begleitet. Untersucht wird unter anderem, wie sich Schmerzen, Durchblutung und Lebensqualität entwickeln. Ziel der Studie ist ein Vergleich von Patientinnen und Patienten, die mit dem neuen, nervenstimulierenden Verfahren oder mit klassischen Verfahren behandelt wurden. Erste Beobachtungen zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse der spinalen Neurostimulation: es wird eine Reduzierung der Amputationen an Unter- und Oberschenkel um bis zu einem Drittel erwartet.
„Vor der Behandlung konnte ich kaum noch ein paar Schritte gehen, jeder Weg war mit starken Schmerzen verbunden. Heute kann ich wieder selbstständig laufen und meinen Alltag bewältigen. Der ‚Schrittmacher für die Beine‘ hat mir ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben.“, so die Patientin Cornelia Ruff.
Mit der Studie zur spinalen Neurostimulation setzt das RKH Klinikum Ludwigsburg ein starkes Zeichen für medizinische Innovation und patientennahe Versorgung – und geht einen wichtigen Schritt in Richtung neuer Behandlungsstandards für schwer Gefäßkranke. Für die Betroffenen, die nach Rücksprache mit der Ludwigsburger Gefäßchirurgie an der Studie teilnehmen können, bedeutet das vor allem eines: neue Hoffnung auf mehr Lebensqualität, mehr Beweglichkeit – und ein Stück Selbstständigkeit im Alltag.