Notfallmedizin

Im Landkreis Ludwigsburg existiert bereits seit 1978 ein organisierter Notarztdienst. Bei einer beträchtlichen Flächenausdehnung von 687 Quadratkilometern und über 540.000 Einwohnern stehen derzeit (Stand 2022) neun Notärztinnen und Notärzte an 5 Standorten für Notfalleinsätze bereit.

  • Ludwigsburg:
    2 Notarzteinsatzfahrzeuge am Klinikum Ludwigsburg
    1 Intensivtransportwagen am Klinikum Ludwigsburg
    1 Baby-Notarztwagen am Klinikum Ludwigsburg
  • Ludwigsburg-Pattonville:
    1 Rettungshubschrauber am Flugplatz Pattonville
  • Bietigheim:
    1 Notarzteinsatzfahrzeug am Krankenhaus Bietigheim
  • Ditzingen:
    1 Notarzteinsatzfahrzeug an der ASB-Rettungswache
  • Enzweihingen:
    1 Notarzteinsatzfahrzeug an der DRK-Rettungswache
  • Oberstenfeld:
    1 Notarzteinsatzfahrzeug an der ASB-Rettungswache

Die Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Ludwigsburg stellt über 60 Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzbezeichnung "Notfallmedizin“. Die Weiterbildung zur Notärztin / zum Notarzt wird dabei von Anfang an nach einem festen Curriculum begleitet, um die angehenden NotfallmedizinerInnen bestmöglich auf den Einsatzalltag vorzubereiten. Die Mehrzahl unserer Notärzte hat eine abgeschlossene Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie. Die Qualität wird laufend durch die ärztliche Leitung u.a. durch die Teilnahme an deutschlandweiten Registern und regelmäßigen Fortbildungen gesichert. Die Standorte Ludwigsburg, inklusive dem Intensivtransportwagen und Ditzingen werden durch unsere Abteilung besetzt. Auch die Besetzung von "Christoph 51" (DRF Luftrettung) erfolgt durch AnästhesistInnen aus unserer Klinik.

Die NotärztInnen / Ausbildung Notfallmedizin

Durch den hohen Anteil an notfallmedizinischer Tätigkeit in unserer Abteilung bilden wir jedes Jahr zahlreiche neue Kolleginnen und Kollegen zu NotärztInnen aus. Der RKH-Notarztkurs findet zweimal jährlich statt und erfreut sich großer Beliebtheit auch außerhalb der RKH Gesundheit. In unserer Abteilung haben wir ein festes Curriculum für die angehenden NotfallmedizinerInnen. Ein eigens entworfenes Buch begleitet sie dabei vom Beginn ihrer Ausbildung bis zur Tätigkeit als NotfallmedizinerIn. Alle wichtigen Informationen zur Ausbildung, Prüfung, Organisation, Equipment und zum Alltag als Notarzt/Notärztin sind enthalten. Es finden jährliche Weiterbildungs- und Mitarbeitergespräche zur persönlichen Entwicklung statt. Zudem besteht die Möglichkeit einer Vorbereitung auf die mündliche Prüfung für die Zusatzweiterbildung mit der ärztlichen Leitung des Notarztdienstes. Regelmäßige Fortbildungen, eine eigene Website mit aktuellen Informationen und die Teilnahme an Qualitätsnetzwerken, sowie ein CIRS-System sichern die Qualität darüberhinaus.

Notarzteinsatzfahrzeug (NEF)

Im Fall eines Notfalleinsatzes sind die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) schon maximal 120 Sekunden nach der Alarmierung auf dem Weg zum Patienten. Alle Rettungsmittel sind mit Rescuetrack® ausgestattet. An dieses System kann die Leitstelle Navigationsdaten und  wichtige Informationen zum Einsatz übermitteln. An der Einsatzstelle treffen sie NEF und Rettungswagen im sog. Rendezvous-System und versorgen gemeinsam den Patienten. Vor Ort entscheidet dann der Notarzt welches Krankenhaus für den Patienten am Besten geeignet ist. In der Regel begleitet er ihn nach der Erstversorgung dorthin. Als „Haus der Maximalversorgung" bietet das Klinikum Ludwigsburg eine breite Palette an modernen diagnostischen und therapeutischen Optionen an und ist daher Hauptanlaufstelle für schwer erkrankte oder verletzte Notfallpatienten, nicht nur aus dem Landkreis Ludwigsburg.

An besonderer medizinischer Ausrüstung führen die Notarzteinsatzfahrzeuge mit sich (Auszug):

  • ein 12-Kanal-EKG-Gerät, um die Diagnose Herzinfarkt sicher stellen zu können
  • ein Beatmungsgerät, unter anderem mit der Möglichkeit zur Durchführung einer nicht-invasiven Maskenbeatmung
  • ein Videolaryngoskop zur Beherrschung eines schwierigen Atemwegs
  • Eine Kapnographie, mit der die korrekte Tubuslage nach Intubation geprüft und die Beatmung überwacht werden kann
  • ein Spezialbohrer zur Anlage intraossärer Zugänge
  • ein kleines Ultraschallgerät zur erweiterten Notfall-Diagnostik
  • zahlreiche Notfallmedikamente zur Akutbehandlung
  • ein digitales Dokumentationssystem, mit dem Befunde und Protokolle digital an die Klinik und die Stelle zur Qualitätssicherung (SQRBW) übertragen werden

Rettungshubschrauber

Der Rettungshubschrauber (RTH) ist eine fliegende Intensivstation für einen Patienten. Die Besatzung besteht in der Regel aus einem Piloten, einem Notarzt und einem speziell für die Luftrettung geschulten Notfallsanitäter. Viele Verlegungen von akut lebensbedrohlich verletzten und erkrankten Personen zwischen zwei Kliniken (z.B. Schwerstbrandverletzte) werden mit einem Rettungshubschrauber durchgeführt (sogenannte Sekundäreinsätze)  Auch der Transport von Patienten, die an eine sogenannte ECMO (Extracorporale Membranoxygenierung) angeschlossen sind, kann mit speziell für den Lufttransport entwickelten Halterungssystemen in Zusammenarbeit mit dem ECMO-Team der Intensivstation 3.I des Klinikum Ludwigsburg im Hubschrauber durchgeführt werden. Auch schonende Transporte über weite Strecken, wie z.B. bei einem Patienten mit Wirbelsäulenverletzung sind mit dem Hubschrauber möglich.

Oft wird der RTH auch als Notarztzubringer eingesetzt. Er kann durch seine hohe Geschwindigkeit über mehrere Landkreise hinweg zu einem Primäreinsatz geschickt werden. Das ist in entlegenen Gebieten ein großer Vorteil und für die Patienten oft lebensrettend.

Intensivtransport

Seit 2016 ist der ITW Ludwigsburg unter dem Rufnamen Sama Ludwigsburg 5/86-1 im Dienst. Mit dem Fahrzeug wird der Interhospitaltransport von intensivpflichtigen und schwerstkranken Patienten in Baden-Württemberg ausgebaut und verbessert. Das Fahrzeug bietet Platz für maximal 5 Personen und einen Patienten. An Bord befindet sich neueste intensivmedizinische Technik, wie das Beatmungsgerät Hamilton T1 und der Oxylog 3000+ zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung sowie das C3 von Corpuls unter anderem mit der Möglichkeit ein 12-Kanal-EKG abzuleiten, invasive Drücke (IBP, ICP) und expiratorischer Gase (CO2) zu erfassen. Ebenso zur Ausstattung gehören ein BGA-Gerät (i-STAT), ein Ultraschallgerät (Vscan Air, Fa. GE) und Bronchoskope (Fa. Ambu). Die Intensivtrage Power-PRO XT (Fa. Stryker) wird Patienten- und Mitarbeiter-schonend vom Powerload- System ein- und ausgeladen. Diese Intensivtrageeinheit hat eine Gesamttraglast von 318 kg und wird ausschließlich hydraulisch in der Höhe bewegt.

Diese Technik und die spezifische Ausbildung der Besatzungen ermöglichen es, auch schwierigste und instabile Intensivpatienten sicher zu transportieren. Zudem besteht die Möglichkeit, Patienten mit Lungenversagen in der abgebenden Klinik mit einer ECMO zu versorgen und anschließend per ITW in ein entsprechendes Zentrum zu verlegen.
Der ITW ist von 9 bis 21 Uhr werktags im Dienst. Der ASB stellt die Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation für Intensivtransporte. Darüber hinaus werden die Besatzungen im Rahmen von regelmäßigen Praktika auf der anästhesiologischen Intensivstation des Klinikum Ludwigsburg geschult und weitergebildet. Die Ärzte sind ausnahmslos erfahrene Intensivmediziner der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und haben neben der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin einen speziellen Intensivtransportkurs nach DIVI-Zertifizierung absolviert.

Der ITW untersteht der Zentralen Koordinierungsstelle (ZKS) und wird durch diese disponiert. In Ausnahmefällen kann die ILS Ludwigsburg das Fahrzeug für Primäreinsätze benutzen. Zur Erfassung und Bearbeitung der Einsätze befinden sich neben dem Rescuetrack- System und dem NIDA-Pad (Fa. MedDV) ein Tablet sowie ein eigener LTE- Router an Bord.

Schnittstelle Zentrale Notaufnahme

Bei Anmeldung eines kritischen Patienten z.B. mit instabilem Kreislauf, Beatmung, nach Reanimation, Schlaganfall, Koma oder Polytraumatisierten Patienten ergänzen wir das interdisziplinäre Team in der zentralen Notaufnahme und übernehmen mit der Transporteinheit den Patienten. Es erfolgt die Stabilisierung und Diagnostik, neben EKG und Blutabnahme z.B. auch ein CT, Röntgen, eine Herzkatheteruntersuchung oder eine Angiographie. Währenddessen überwachen wir den Patienten und sorgen für einen stabilen Kreislauf und Beatmung bis zum Transport zur Intensivstation oder Notfalloperation.
Im Schockraum wird interdisziplinär mit den Unfallchirurgen, der Radiologie, der Inneren Medizin (Sonografie des Bauchraumes), der Neurologie und ggf. mit allen anderen Abteilungen zusammengearbeitet. Zur Stabilisierung von Schwerverletzten stehen u.a. spezielle Gerätschaften wie z.B. ein C.A.T.S. zum Auffangen und Wiederaufbereiten mit Retransfusion ebenso wie Blutkonserven und tiefgefrorenes Plasma uvm. immer zur Verfügung. Die Anmeldung eines kritischen Patienten erfolgt digital und telefonisch durch die NotärztInnen am Einsatzort. Es besteht die Möglichkeit vorab Befunde wie 12-Kanal-EKGs oder Bilder direkt in die Klinik zu übermitteln und so die Versorgung zu optimieren. Beispielsweise kann ein Patient mit Herzinfarkt direkt ins Herzkatheterlabor gebracht werden, wenn die Diagnose schon vor Ankunft des Patienten durch die EKG-Übermittlung gesichert ist.

Qualitätssicherung, Fortbildung

Zur Qualitätssicherung werden u.a. die Rückmeldungen der Stelle zur Qualitätssicherung Baden-Württemberg (SQRBW) laufend durch die ärztliche Leitung Notarztdienst überprüft und ggf. Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen.

Zudem nehmen wir seit vielen Jahren an deutschlandweiten Netzwerken zur Qualitätssicherung teil, wie z.B. dem Reanimationsregister (inner- und außerklinisch), dem Traumaregister und dem FITT-STEMI Projekt.

Unsere ärztlichen MitarbeiterInnen werden in Kooperation mit dem RKH Simulationszentrum alle als ALS-Provider nach den aktuellen internationalen Leitlinien zum Thema Reanimation geschult. Im Rahmen der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin beim RKH Notarztkurs kann der zertifizierte ALS-Provider direkt mit erworben werden. Die Anästhesie-Pflege wird passend dazu als ILS-Provider weitergebildet.

Jeder neu eingestellte Mitarbeiter wird während der Einführungstage über die hausinterne Alarmierung und das Verhalten bei Notfällen informiert. Unsere Abteilung stellt das „Reanimationsalarm-Team“ im Klinikum Ludwigsburg.

Ein digitales Handbuch mit Standard-Vorgehensweisen (SOPs) steht allen Mitarbeitern zur Verfügung und beinhaltet alle wichtigen Prozesse unserer Abteilung. So wird eine einheitliche qualitativ hochwertige Versorgung unterstützt.

Unsere Abteilung bietet im Rahmen der Frühbesprechung eine wöchentliche Fortbildung an. Zudem gibt es monatliche Online-Fortbildungen zum Thema Notfallmedizin in Kooperation mit den lokalen Hilfsorganisationen. Einmal im Jahr findet unser Tag der Notfallmedizin mit zahlreichen Themen aus der Notfallrettung statt. CME-Punkten von der Ärztekammer Nordwürttemberg werden für alle Veranstaltungen beantragt.

Im Jahr 2008 wurde, ausgehend von unserer Klinik, das Notarztnetzwerk Neckar-Enz gegründet. Das Notarztnetzwerk Neckar-Enz ist ein Zusammenschluss von Notfallmedizinern im mittleren Neckar-Enzraum, die es sich zur Aufgabe gemacht haben gemeinsam mit den beteiligten Hilfsorganisationen die Weiterentwicklung der Notfall- und Rettungsmedizin im Neckar-Enzraum sicherzustellen. Weitere Informationen rund um den Notarztdienst in Ludwigsburg und Umgebung sowie zu interessanten Fortbildungen im Bereich Notfallmedizin finden sie auf der Homepage des Notarztnetzwerks Neckar-Enz.